Studie der Christlichen Initiative Romero und ver.di belegt systematische Missachtung von Arbeits- und Frauenrechten entlang der gesamten Orangensaft-Lieferkette. Gäste aus Produktionsland Brasilien berichten aus erster Hand.



Deutschland ist Fruchtsaft-Weltmeister und größter Abnehmer von Orangensaft aus Brasilien. Die heute veröffentlichte Studie der Christlichen Initiative Romero (CIR) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) stellt die gesamte Orangensaft-Lieferkette von den Plantagen Brasiliens bis in die deutschen Supermärkte dar und deckt prekäre Arbeitsbedingungen auf: „Sowohl in den Fabriken als auch auf den Plantagen wird unter extremem Druck und ohne angemessene Schutzvorkehrungen gearbeitet. Ausbeutung zu Hungerlöhnen auf den Plantagen und in den Saftfabriken ist Alltag“, bringt Sandra Dusch Silva von der entwicklungspolitischen Organisation Christliche Initiative Romero die Rechercheergebnisse aus Brasilien auf den Punkt.

Die Konzernkonzentration – in Brasilien wie in Deutschland – ist alarmierend. Obwohl die Hälfte des weltweit konsumierten Orangensaftes aus Brasilien stammt, betreiben aufgrund von Wettbewerbsverdrängung gerade mal drei Großkonzerne Orangenanbau und Konzentratgewinnung. Auch am Ende der Lieferkette stehen immer weniger Handelskonzerne, die in Deutschland Lebensmittel anbieten. Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi vereinigen 85 Prozent Marktanteil auf sich und beeinflussen damit erheblich indirekt die Arbeitsbedingungen von Millionen Beschäftigten. Auch die Ausbeutung von Arbeitskräften ist nicht nur in Brasilien traurige Realität: „In Deutschland alarmiert insbesondere die Verantwortungsflucht der tarifgebundenen Unternehmen Edeka und Rewe. Durch Ausgründung an selbstständige Kaufleute entstehen nahezu betriebsratsfreie und tariflose Bereiche, in denen Kaufleute nach eigenem Ermessen über die Arbeitsbedingungen ihrer Beschäftigten entscheiden“, so Stefanie Nutzenberger, ver.di-Bundesvorstandsmitglied und Leiterin des Fachbereichs Handel. Sandra Dusch Silva, CIR, fordert: „Es muss endlich etwas passieren! Denn wirtschaftliche Macht und Verantwortung für gute Arbeitsbedingungen gehören zusammen.“

Zur Veröffentlichung der Studie berichtet Cicera Coltro, Erntehelferin auf einer Orangenplantage, aus eigener Erfahrung darüber, was es bedeutet, die beliebte Zitrusfrucht unter prekären Bedingungen im Akkord zu pflücken. Begleitet wird sie auf der heute beginnenden Rundreise von Márcio Propheta Sormani Bortolucci – Anwalt für Arbeitsrechte aus dem brasilianischen Piratininga.

Mit der Veröffentlichung der Studie und der Rundreise setzen CIR und ver.di an, den Druck auf die deutschen Handelsriesen zu erhöhen, sodass diese dem eigenen Anspruch einer sozialen Unternehmensverantwortung endlich gerecht werden. Geknüpft an eine Einladung zum Dialog wird die Studie an Edeka, Rewe, Lidl/Kaufland und Aldi übergeben.


Stationen der Rundreise mit brasilianischen Gästen
(Pressegespräche sind vor und nach den Abendveranstaltungen möglich – gerne nach An-meldung):

8.10. Berlin, 9.10. Hamburg, 10.10. Münster, 11.10. Frankfurt, 12.10. Stuttgart, 14.10. Brüssel.

Ansprechpartnerinnen: Christliche Initiative Romero (Büro Berlin) – zu Arbeitsbedingungen in Brasilien und zur Kontaktaufnahme mit brasilianischen Gästen: Sandra Dusch Silva, Tel.: 0176-64190709, Mail: dusch[at]ci-romero.de ver.di – zu Arbeitsbedingungen im deutschen Einzelhandel: Katharina Wesenick, Tel.: 0175-2605701Unter www.verdi.de/presse/downloads/pressemappen kann die Studie abgerufen werden.Die Studie sowie Fotos, Film- und Tonaufnahmen zu den Arbeitsbedingungen in der Orangensaftindustrie Brasiliens können angefordert werden bei der Christlichen Initiative Romero (CIR) - Büro Münster: Joana Eink, eink[at]ci-romero.de, Tel.: 0251 – 89 503, Fax: 0251- 82 541.

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